Ja, ich darf das


Normalerweise gehe ich Montags abends immer zur VHS um Niederländisch zu lernen. Ich tue das gerne. Ich mag die Sprache, ich mag das Land und vor allem mag ich meine neue niederländische Verwandtschaft.

Aber heute maaaag ich nicht.

Ich weiß nicht wirklich warum, aber ich mag nicht!

Ja ich weiß ich sollte hingehen. Es gibt keinen vernünftigen Grund nicht hin zugehen, außer dem, dass ich heute nicht mag! Also hab ich dass gemacht, was ich in solchen Situationen immer mache, ich rede mit meinem PAPI und der hat mir eben eine interessante Frage gestellt und die lautete: “Darfst du das? Erlaubst du dir einfach nicht zu mögen und den Unterricht zu schwänzen. Ganz ohne Grund und ohne Ausreden!”

Klar hab ich geantwortet. Klar darf ich das. Ich bin erwachsen! Es ist meine Entscheidung. Es ist mein Leben. Und ich brauche mich vor niemandem zu rechtfertigen!

“So so, wirklich” lautete die Antwort. “Bist du sicher, dass du dich nicht doch innerlich rechtfertigst und nach Gründen suchst, warum es ok ist heute nicht zur Schule zu gehen?”

Autsch, erwischt. Klar, nach außen hin gebe ich mich schnell unabhängig und souverän, aber darunter, in mir drin läuft oft eine ganz andere Kommunikation ab. Vielleicht hast du das ja auch schon mal bei dir beobachtet.

Wir tun etwas, das wir eigentlich nicht tun sollten und nicht tun wollten… aber wir tun es trotzdem. Und dann fühlen wir uns tief in unserem Inneren schuldig. Da ist so ein innerer Richter der sagt: “Du solltest aber zur Schule gehen! Du hättest das nicht downloaden sollen! Du hättest diese Zusagen nicht machen dürfen! Du solltest diesen Brief schreiben! Du müsstest deine Schwester anrufen! Du hättest dich mehr um deinen Vater kümmern müssen! Du bist viel zu spät zu deinem Termin gekommen, weil du rumgetrödelt hast. Du hättest schon längst zum Zahnarzt gehen müssen!” Usw. Usw. Usw.

BlaBlaBlaBla … der Richter in unserem Kopf gibt einfach keine Ruhe. Und dann suchen wir nach Absolution. Wir suchen nach Gründen warum es unvermeidlich war, was wir getan haben. Wir erzählen die Geschichte einem guten Freund und drehen sie so hin, dass er uns freisprechen wird, denn wir wollen hören: “Ach was, ist doch alles gar nicht so schlimm! Lernst du den Stoff eben nach und gehst nächste Woche wieder hin!” oder “Vergiss die Sache einfach! Deine Schwester ruft ja auch nie an!” oder “Du hast alles für deinen Vater getan was in deiner Macht stand!”

Aber es ist unser eigener innerer Richter der uns anklagt! Wir selber sind es, die für diese schlechten Gefühle in uns sorgen! Doch was wir wirklich brauchen ist keine Absolution von außen! Wir brauchen niemanden der uns in unserer Entscheidung etwas zu tun oder nicht zu tun, bestätigt! Alles was wir brauchen ist, dass wir uns selber vergeben!

Und die Frage die es auf den Punkt bringt ist ganz einfach: “Darfst du das?”

Kannst du dir erlauben auch mal zu spät zu kommen? Darfst du blau machen? Darfst du auch mal nicht mögen, nicht funktionieren, nicht nett sein? Darfst du mit Genuss Fleisch essen auch wenn neben dir ein Veganer gleich ne Sinnkrise kriegt, weil du die Welt partout nicht mit seinen Augen sehen willst? Darfst du mal freche Antworten geben, ohne dich gleich dafür entschuldigen zu müssen? Darfst du auch mal eckich und kantich sein, einfach nur weil dir gerade danach ist?

Kannst du dich einfach nur mal lieb haben, so wie du bist. Mit all deinen Fehlern! Mit all deinen Macken und all deinen Unzulänglichkeiten.

Das was ich an GOTT, meinem Papi im Himmel, so toll finde, ER liebt mich immer. Auch wenn ich das mal nicht kann. Und weißt du was. ER liebt dich auch. Und ER liebt dich auch dann noch wenn du das nicht mehr für möglich hältst. Selbst wenn du dich selber für absolut unliebenswert und unwürdig hältst, liebt ER dich noch. Und weißt du wann er dich am allermeisten liebt, wenn du nix von IHM wissen willst. Wenn du leugnest dass es ihn gibt, wenn du zweifelst und wenn du richtig wütend bist. Ja dann ist SEINE LIEBE zu dir am aller größten, denn dann brauchst du sie am dringendsten und er wird nicht unversucht lassen um in solchen Momenten zu dir durchzudringen.

Und weißt du was noch… Du darfst das!

Du darfst dir so viel Zeit nehmen wie du willst. Du darfst so viele Fehler machen wie es braucht um zu lernen was du zu lernen hast! Du darfst sogar auf dich, auf IHN und auf die ganze Welt wütend sein! Es ist o.k! Spür mal wie sich das anfühlt, wenn du dir die Zügel mal etwas lockerer lässt. ER hat dir längst schon vergeben.

Versuche es doch mal. Befreie dich von deinem Inneren Richter. Spreche dich frei von deiner Schuld! Und sage...

"Ja, ich darf das!"


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