Weihnachten? Nein, Danke! - by Joan de Groot

Liebe Leser, 

Ich freue mich jetzt auch auf Mimi's Blog meine Artikel veröffentlichen zu dürfen und bin gespannt auf euer Feedback und unseren Austausch!

November hat nicht mehr viele Tage. Bis Heilig Abend sind es noch 30 Nächte. In München öffnen die Weihnachtsmärkte. Alle Schaufenster in der Stadt sind Weihnachtlich dekoriert und überall glitzert die Festbeleuchtung. 


Die Briennerstrasse in Festbeleuchtung

Letzte Woche saß ich mit Käffchen, Hund und Zeitung auf der Couch und überlegte was ich alles vor Weihnachten erledigen müsste, wo wir hingehen würden zum feiern, ob die Kinder dann alle kommen und welche Geschenke ich noch aussuchen müsste. Dann das Festessen. Und den Adventskranz. Die Plätzchen ...  Und alles, aber wirklich alles in mir schrie: "Stopp! Ich will nicht. Lass mich aus dieser Zug springen, der zu schnell über die Schienen donnert. Ich will aussteigen. Ich mag dieses Jahr am liebsten KEIN Weihnachten feiern!"


Wittelsbacherplatz, Aufbau der Mittelalter-Weihnachtsmarkt

Augenblicklich machte sich Erleichterung und Frieden breit. Mein Gewissen ließ natürlich nicht gleich locker: "Darf ich so egoistisch sein? Einfach alles ausfallen lassen, bloß weil mir danach ist?"
Also wurde es zum Abendessen besprochen. 


Und ich machte erstaunliche Entdeckungen:

Seit ich in Deutschland lebe (24 Jahr) begehe ich Weihnachten so wie es mir hier gezeigt wurde. So wie ich rein-gewachsen bin. Zusammengesetzt aus den Erfahrungen und Erwartungen von meinem Deutschen Mann, von dem was mir Freunde, die Schule, die Medien hier beibrachten. Und etwas von meinen eigenen Traditionen fand dabei auch noch ein Plätzchen. 

Alles war dann sehr Deutsch eben. Adventskranz, Adventskalender, Plätzchen backen, Geschenke kaufen, Festmenü planen, Dekoration bedenken, Einkaufen, Organisieren, Einkaufen, basteln, Einkaufen, Kochen, Kochen, Backen, Backen, Weihnachtsbaum kaufen, Haus putzen, mit den Kindern basteln, die Kinder einkleiden, Kochen, Einkaufen, Geschenke verpacken, Weihnachtsbaum schmücken, Kochen, und dann am Heilig Abend ohne Hunger, meistens mit Bauchkrämpfe oder Kopfschmerzen das ganze Ritual von der Bescherung durchstehen. 

Weihnachtstisch im Kaufhaus
Am nächsten Tag in die Kirche gehen, Weihnachtsessen kochen, noch mehr kochen, backen, Verwandte begrüßen, endlich essen, an alles denken, nichts vergessen. Noch mehr Bescherung. Kleine Spaziergänge machen. Kaputt sein. Ruhe wollen, Hinlegen geht jetzt nicht. Noch mehr kochen. Kaffee, Tee, Kuchen, Plätzchen. Ich platze schon vor kugelrund satt sein. Ich kann nicht mehr. Küche putzen. Und dann ... ganz spät, nach Mitternacht vielleicht ein Stündchen wirkliches Weihnachten für mich alleine erleben. Bei einer Kerze sitzen. Der Duft des Baumes riechen, ein Glas Rotwein in der Hand aber jedes Jahr die gleiche Gedanke: "Warum tue ich mir das an?"


Kerstmis wurde in Holland anders gefeiert. Ich glaub, jetzt hat sich das auch verändert und ist es kommerzieller geworden. Aber als ich Kind war, war es ein schlichtes Fest. In meiner Familie spielte Glauben keine Rolle, wir gingen nicht in die Kirche. Aber es gab ein Weihnachtsbaum und vor allem kamen meine Cousinen, meine Oma, meine Tante und Onkel und es wurde ausgiebig gegessen, viel gespielt, endlos lange dürften wir wach bleiben. Es gab schöne Erzählungen, warmer Punsch und Kerstkrans (ein Blätterteiggebäck mit Marzipanrohmasse). Geschenken gab es keine, die hatten wir schon zu Sinterklaas bekommen (Nikolaus).


Sinterklaas kommt an in Scheveningen (Bild "Holland Tourismus")

Weihnachten war einfach warm, voller lachen, mit Familie, viel Spaß und Zeit für ausgiebige Wanderungen und stundenlanges Lesen. In meiner Erinnerung war es ein entspanntes Fest das einfach nur Freude gemacht hat.

In Deutschland angekommen fand ich die Begegnung mit dem Deutschen Weihnachtsfest spannend. Ich wollte  lernen das  genauso gut hin zu kriegen wie ich das bei meinen Freundinnen sah und mein Mann, seine Verwandten und später unsere Kinder eine große Freude zu machen. Plätzchen backen, Geschenke besorgen,  Advent feiern, Kochen, wochenlang mit Vorbereitungen beschäftigt sein ... das alles gehörte dazu. Ich machte tapfer mit.
die Weihnachtsmänner warten

Als die Kinder noch klein waren hatte diese Tradition ein besonderer Glanz und Heiligkeit. Nichts ist schöner als in großen, staunenden Kinderaugen zu schauen wenn sie das mit Kerzen beleuchtendes Weihnachtszimmer betreten. Und dafür nahm ich den ganzen Stress gerne im Kauf.

Jetzt habe ich mich getrennt von meinem Mann, und auch getrennt von festen Ideen über wie ein Weihnachtsfest aus zu sehen hat.
Meine Kinder können Weihnachten bei ihrem Vater feiern. Ich bin dann alleine mit Mimi und wir können machen was wir wollen.


Noch sind die Buden geschlossen

Alles ist frei. Alles ist möglich. und so habe ich für dieses Jahr nur ein Wunsch: lass Weihnachten mal ausfallen. Lass mich einfach spüren was passiert wenn ich kein Plätzchen backe, wenn ich keine Geschenke kaufe, wenn ich mich dem Sog und den Stress in der Stadt entziehe. Und dabei will ich spüren was passiert. Spüren und fotografieren und darüber schreiben. Einfach entdecken wie das ist.
Ich bin gespannt und freue mich auf dieses Abenteuer.


Ich habe keine Idee wo es hingeht. Und zeige nur das was mich berührt.


So wie dieses Bäumchen am Eisbach im Englischen Garten heute. 

So wie diese starke alte Eiche.

Und wie Advent und Weihnachten in den nächsten Wochen aussehen werden durch meine Kameralinse?



Ich werde da sein und berichten.


Viel Spaß dabei wünscht euch,


eure Joan



Kommentare:

  1. Liebe Joan,
    ich freue mich sehr, dass du jetzt auch hier auf meinem Blog mit dabei bist und ich bin schon sehr gespannt, wie dein Experiment weiter geht. Ich selber habe schon mehrmals beschlossen, diesen Weihnachtsrummel nicht mit zu machen und bewusst aus diesem ganzen Trubel, dem Stress und den Verpflichtungen aus zu steigen. Das waren sehr interessante Erfahrungen, die mich dem eigentlichen Sinn von Weihnachten wieder näher gebracht haben. anschließend kann man wieder ganz neu entscheiden und das Weihnachtsfest auch voller Freude und mit ganz anderen Gefühlen auch mal wieder traditionell feiern.
    Das schöne an solch einem Experiment ist ja die Erfahrung der eigenen inneren Freiheit.
    Liebe Grüße deine Mimi

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  2. Liebe Joan!
    Natürlich bedeutet Weihnachten auch immer ein bisschen Stress und viele Vorbereitungen, andererseits, wie Du auch geschrieben hast, wenn man in die Augen seiner Kinder ( oder Enkelkinder ) schaut, ist es das allemal wert! Wenn ich allerdings irgendwann einmal keine kleinen Kinder mehr in der Familie habe, kann ich mir gut vorstellen es ruhiger angehen zu lassen. Aber ganz ausfallen zu lassen? Ich freue mich jedes Jahr auf diese Zeit und kann mich über Geschenke die ich anderen mache, freuen wie ein kleines Kind! Aber vielleicht auch deswegen weil ich gerade diese Tage dazu nutze auch mal besinnlich zu sein, darüber nachzudenken, dass Gott uns mit Jesus dieses wunderbare Geschenk gemacht hat und mich in Gedanken darauf zu freuen dass er irgendwann wiederkommt. In diesem Sinne liebe Joan, wünsche ich Dir viele schöne besinnliche Tage und freue mich wieder von Dir zu hören. herzliche Grüße Monika PS: Liebe Grüße an Mimi

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  3. Gratulation zu diesem tollen Blog Artikel Joan.
    Ich sehe es sehr ähnlich wie Du, vielleicht noch etwas extremer als Du es beschreibst.
    Nein, der Blick in die Augen von Kindern ist es (nach meinem Empfinden) NICHT wert. Ich finde es traurig, dass viele Erwachsene Weihnachten oder sonst ein kommerzielles Fest benötigen, um ein Lächeln in einem Kindergesicht zu "zaubern".
    Ich finde das "erkauft"... manipuliert.
    Das ganze Jahr haben wir JEDEN TAG diese Möglichkeiten... sich liebevoll unseren Liebsten zuzuwenden....
    Wozu solche Feste?
    Ich sehe nur einen Sinn in dem allen und dass hat wenig mit Liebe zu tun, sondern mit dem Profit der Unternehmer, der Industrie.
    Denn der Weihnachtsmann und seine paar Helfer schaffen das längst nicht mehr alleine zu bewältigen... diesen Konsumwahn... da "hilft" eine Milliarden schwere Industrie fleißig mit. DENEN schenkt "der Weihnachtsmann" ein breites Lächeln/ Grinsen.
    Klar freuen sich die Kids auf Weihnachten.... doch fragt sie doch mal WARUM?
    Dennoch gilt auch hier: Jeder wie er mag.
    Ich mag/versuche JEDEN Tag als einen Tag der Liebe zu leben.... Weihnachten ist für völlig obsolet.
    Liebe Grüße,
    von Ralf

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  4. Danke, liebe Joan, dass du dieses Thema durch deinen Blog bei Mimi (tolle "spirituelle Multiplikation" übrigens!), auch in mir wieder neu aufgerollt hast. Weihnachten war für mich schon immer ein heiliges Fest. Liebe, Freude und Harmonie sollte dieses Fest stets begleiten. Es war aber leider nur in den seltensten Fällen so, wie ich es mir ausgemalt hatte.
    Viele Erinnerungen sind in mir wach geworden, so mancher Schmerz berührt worden - um jetzt in der Erkenntnis zu landen, dass (wie Ralf es so schön formuliert) es im Grunde keinem äußerem "Weihnachten" bedarf, um die Freude, die Liebe und die Harmonie zu leben, nach der ich mich - und sicher so viele andere Menschen auch - sehnen, die wir mit dem Weihnachtsfest einfach untrennbar verbunden wissen wollen.

    Dieses Jahr mache ich es auch anders. Ich mache es so wie ich möchte und nehme alles so an wie sich Weihnachten mir darbringen will. Traditionelle Geschenke gibt es für meinen Sohn, einfach weil ich es will und er sich ja schon wochenlang darauf freut. Vorfreude ist ja auch was Schönes...
    Aber alles was mir keine Freude mehr bereitet, wandle ich um: entweder es wird ersatzlos gestrichen, oder ich überlege mir neue Wege, oder die Wege ergeben sich in mir. Letztlich führt alles was mir im Außen begegnet (und sei es "nur" meine Haltung zum Weihnachtsfest), immer wieder zu EINEM Ergebnis:

    Ich bin mir und meiner Wahrheit verpflichtet - sonst Nichts und Niemandem!

    Und damit fühle ich mich wieder ein Stück freier, kann wieder besser atmen, denn es bedeutet auch, dass ich im "Jetzt" leben darf, ohne mich über mein Verhalten von gestern mehr grämen, oder Angst vor der Zukunft haben zu müssen - auch wenn ich dann vielleicht wieder ganz andere Entscheidungen treffen werde, so werde ich jetzt immer die Sicherheit haben, dass ich diese dann stets gut begründen kann in meine ganzen Authentizität!

    So bin ich frisch, neugierig, beobachtend wachsam, selbsttreu in jedem Moment meines Daseins. Ich zeige mich damit so wie ich bin, wie ich fühle, auch mal wild oder unartig, auch in meiner Schwäche oder Stärke. Denn all das bin ich in meiner Lebendigkeit, die mich zu keinen Konventionen oder Traditionen mehr verpflichtet. Wenn ich will, mache ich mit - aber wenn es in mir Stopp ruft, dann eben nicht!

    Wachsam prüfend, mit einem fröhlichen Lachen im Gesicht tanzt das Königskind, mit goldener Sternenkrone und wehenden Haaren. Auch dank dir liebe Joan, dank euch allen übrigens, die ihr in euren wichtigen, wertschätzenden Kommentaren einen wertvollen Beitrag leistet.
    Denn es fühlt sich beim Lesen für mich jedesmal so an, als würdet ihr euer Herz in die Hand nehmen und sagen: "Hier schaut her, ich lege es dir zu Füßen!"
    Ich verneige mich behutsam davor und sage Danke, denn diese Erkenntnisse sind die besten Geschenke, die ich je zu Weihnachten erhalten habe...

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