Aus dem Herzen malen: die Kunst von Ulrike Hirsch.

Ein Interview von Joan de Groot

Gefühle zeigen erlaubt!
Eines Tages sah ich das kunterbunte Cover von Kerstin Werners  Buch „Gefühle zeigen erlaubt“ und ich musste einfach lachen!  Die Zeichnung traf mich mitten ins Herz.  
So wie das ist wenn man etwas Neues entdeckt,  dauerte es nicht lange oder ich sah immer wieder  Zeichnungen in der gleichen Art auf meine Facebook Timeline vorbeiziehen. Alle fand ich großartig. Alle hatten den gleichen Effekt auf mich: ich fühlte Freude und immer auch Rührung.  Langsam wurde ich neugierig. Wer steckte hinter diesen wundervollen Bildern?

Na ja, Facebook ist dazu da solche Sachen zu entdecken und so fand ich die Seite von Ulrike Hirsch. Malerei, Grafik, Musik, steht ganz nüchtern  neben ihr Profilbild. Nachdem ich mir auf ihre Website ihre Bilder angeschaut  und mir einige ihre Musikfilmchen bei Youtube angehört hatte, spürte ich: diese Frau tut einfach ganz genau wozu sie geboren ist. Und das mit Leidenschaft, Leichtigkeit und viel, viel Liebe!
 
Sonnenherz


Die Journalistin  in mir wachte auf  und wollte über Ulrike Hirsch schreiben. Ich liebe es einfach Menschen zu finden die wirklich ihre Berufung leben. Es gibt davon leider nicht so wirklich viele. Und vor allem nicht genug Frauen die sich trauen!

Grund genug Ulrike zu kontaktieren und mit ihr ein Termin für ein Telefon-Interview aus zu machen. Und so lernten wir uns kennen. Es war von Anfang an nur toll mit dieser Frau zu sprechen. Ich fühlte einen unsichtbaren Band, ein tiefes Verstehen von ihrer Kunst und von ihrem Wesen.

Ulrike Hirsch ist für mich eine kompromisslos ehrliche Künstlerin. Die ihre Arbeit nachgeht in aller Ruhe, mit viel Humor und Liebe für alles was sie da zu stellen vermag. Sie hat es geschafft wovon viele Künstler nur träumen können:  das zu tun wofür sie brennt und woran sie glaubt.
Sie illustriert, sie malt, ist Grafikerin und sogar auch Musikerin. Und das Beste dabei ist: sie kann davon leben!

Ihre Kunst ist spielerisch bunt, lustig, leichtfüßig, märchenhaft und fast kindlich naiv. Aber die Einfachheit täuscht. Dahinter steckt unendlich viel mühsame  Arbeit, eine starke Disziplin, viele mutige Ideen, sogar eine große Vision.

Ulrike erzählt:  „Als Kind habe ich immer schon gemalt, auch Figuren erfunden und Geschichten illustriert. Ich hatte das große Glück in einer Familie geboren zu sein die mich darin vollkommen frei ließ und  unterstütze in meinem Wunsch an der Kunst-Akademie weiter zu lernen. Auch meine Kunst- und Musiklehrer haben mich gefördert und beschützt. Sie glaubten an meinen Fähigkeiten.“
 
Geliebtes Kind 

„So began ich an der Akademie. Und da war dann alles auf einmal ganz anders. Ich kam in Berührung mit Ablehnung von meiner Arbeit und meiner Person. Meine Bilderwelt wurde kritisiert, sie wäre zu einfach, zu kindlich, zu farbenfroh und vor allem zu spirituell.“

Ulrike ist in Ostdeutschland aufgewachsen und hatte schon als Kind ein ganz natürliches, ungezwungenes Verhältnis zur Spiritualität. Später gehörte Beten, Gespräche über Glauben und Gott einfach dazu. Sie verarbeitete diese Impulse in ihre Kunst und fand  ihre eigene Wege darin.

„Ich konnte mit soviel Ablehnung gar nicht umgehen“, sagt sie jetzt, „ ich war noch so jung und unreif.  Es hat mich einfach umgehauen.“
„Nach zwei Jahren wollte ich das Studium abbrechen. Ich packte mein Rucksack und zog nach Schottland. Aber meine ganze Probleme hatte ich anscheinend in meinem Rucksack mit eingepackt“, lacht sie, „und so entschied ich mich, wieder zurück zu kehren und weiter zu machen an der Akademie. Ich lernte den Kritik aus zu halten, durch den Schmerz hindurch zu gehen, weiter zu arbeiten und zu mir und meine Arbeit zu stehen, auch wenn alle andere dagegen sind.“


Abschied und Willkommen

Das hat sich gelohnt. Ulrike besteht Ihr Studium, und lernt nach vier Jahren, in ihre Abschlussarbeit absolut an sich zu glauben und keine Kompromisse ein zu gehen.
„ Und DAS, lacht sie, war mein eigentliches Diplom! An mich glauben!“

Nach dem Studium zieht sie sich zurück und malt und malt und malt. Ganz intuitiv. Sie malt sich einfach ihr Schmerz, alle Belastungen, die unverarbeitete Gefühle aus sich raus. Bis sie sich wie geläutert fühlt. Und leer. So hat sie sich selber heil gemalt. Ein ganzes Jahr lang ist sie hauptsächlich damit beschäftigt. Es wird die Grundlage werden für ihre spätere Arbeit in ihre Workshops mit Intuitive Malerei. „ Ich vermittle in meinen Seminaren keine Methode“, erklärt Ulrike, „sondern das was ich da selber erleben dürfte: meine Gefühle Ausdruck zu geben. Einfach alles zuzulassen was sowieso da ist!“

„Wo fühlst du dich spirituell zuhause?“, frage ich sie.
„ Ich habe lange Erfahrungen mit intensiven Meditationen, auch Yoga, Stimmarbeit, habe eine Zeit verbracht in einem Italienischen Kloster, und dadurch viel über das Christentum und seine Begrenzungen entdeckt.  Alles was mir über den Weg lief habe ich ausprobiert: Schamanismus, Kabbala, egal was es war. Ich habe immer versucht die Essenz aus allem raus zu suchen und sagte mir: ich öffne mich und verlass mich einfach auf meinem Herzen.“
 „ Zu dem Vater-Gott habe ich eine innige Beziehung. Gott als einen liebenden Vater erleben zu dürfen ist mir sehr wichtig. Aber ebenso wichtig ist mir den Alles-umfassenden, formlosen Begriff des Eins-mit-Allem-Sein. Ich mag Beides. Geliebt zu werden wie ein Kind und auf zu gehen in das pure Sein. Das Grenzenlose.“

Genau diese ehrliche und tiefe Auseinandersetzung mit dem Göttlichen, finde ich zurück in Ulrikes Arbeiten. Darum berühren die Bilder so tief. Sie sind archaisch in ihre Einfachheit.

Aufstiegsbild

War es dann so leicht für Ulrike? Einfach zu malen und gleich davon leben zu können?
Nein, das Leben war nicht immer einfach für sie und ein Zuckerschlecken erst recht nicht. Sie hat sich jahrelang durchgekämpft mit viel Fleiß und Disziplin um ihren Weg zu finden und zu gehen. Unterricht geben, in Gesang, Gitarre, Malen, allerhand grafische Aufträge annehmen … es gehörte alles dazu.
„Langsam wurde die Situation so dass es auch finanziell aufwärts ging“, erinnert sich Ulrike, „ und seit 2004 ist alles ganz natürlich weiter gewachsen, wurde es immer mehr, bis ich genug Arbeit hatte und auch davon leben konnte.“

Die Musik ist auch noch ein leidenschaftliches Hobby, aber ihr Geld verdient Ulrike hauptsächlich durch ihre vielseitigen Auftragswerke,  die Seminare in Intuitives Malen und ihr Online-Verkauf.

Was sie am allerliebsten mag? „Meine Bilder zu malen, meine Lieder zu singen und den Menschen bei zu bringen das gleiche zu tun: ihre eigene Bilder zu malen, ihren eigenen Lieder zu singen.“ „Tue das was du liebst, sag ich den Menschen, fühle in dir was da ist, was du die Welt geben kannst und was deine Gabe ist.“
„Und dann: geh hin und MACH es, weil es dich erfüllen wird. „

„Nimm dich dabei aber im Arm, mach es ganz liebevoll. Hab dich lieb. Erkenne dich an. Und vergesse nie: es geht nicht nur darum etwas mit Liebe zu tun, sondern auch mit einer absoluter innerer Verpflichtung dir selber gegenüber. Es gehören ein starker Willen und viel Ausdauer dazu! Und es gibt da keine „Shortcuts“!“

Ich sehe immer wieder den vor allem spirituell beschäftigten Menschen wie Bäume mit einer ausgeprägte Krone aber schwache Wurzeln. Die ganz banale, materielle  Dinge im Leben gehören aber genauso dazu: Buchhaltung, Marketing, Umgang mit den Finanzen, das brauchst du alles wenn du selbständig etwas schaffen willst. „

Eine wunderbare Frau, die Ulrike Hirsch und eine begnadigte Künstlerin. Ihre Kunst spiegelt wieder was sie zum Schluss noch gesagt hat: „Vertraue das Leben und lass dich fallen. Dann geht es aufwärts!“

Ich bin mir sicher: in Ulrike Hirsch stecken noch so viele wundervollen Bilder die gemalt werden wollen! Danke Ulrike, für deine großartigen, inspirierende Bilder und deine genauso inspirierende Worte. Ich freue mich schon auf unsere „Live“-Begegnung, die bestimmt kommt!

Wundervolle Menschheit